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„DIE SEHEN DOCH ALLE GLEICH AUS“

Am Anfang war das Rind. Mit ihm begann die Kulturgeschichte des Menschen. Das Rind, ein mystisches Tier. Es verwandelt das für Menschen nutzlose Gras in etwas Brauchbares. Milch, Fleisch, aber auch Leder, Dung und Arbeitskraft sind plötzlich verfügbar. Dem seßhaft gewordenen Homo sapiens ein unschätzbarer Wert. Also begann er das Rind zu domestizieren und nahm Einfluss auf dessen Gestalt und Verhalten. Rund 10.000 Jahre ist das her.

Am Anfang war der Ur, auch Auerochse, Archetyp des Rinds. Wild und unberechenbar muss er den frühen Menschen vorgekommen sein. Bevor sie begannen, sich dieser Tiere zu bemächtigen, malten sie dessen Bildnis an den nackten Fels in ihren Höhlen. Durch diesen Akt machten sie sich das Tier und seine Erscheinung zu eigen. Sie wollten herausfinden, mit wem sie es zu tun hatten.

Herausfinden, mit wem wir es zu tun haben. – Du sollst Dir kein Bildnis machen, heißt es in aller Deutlichkeit. Ein über Jahrhunderte kulturprägender Gedanke. In diesem Fall ist das tatsächlich passiert. Nur vage noch können wir uns vorstellen, was das ist, eine Kuh. Das Rind ist zum organischen Betrieb mutiert, zum wandelnden Produktionsmittel, das mehr eine Stoffwechselfabrik auf vier Beinen verkörpert, als ein Wesen, das lebt. Aus der Ferne betrachten wir es mit dem taxierenden Blick des Konsumenten. – Was aber geschieht, wenn wir uns nähern? Beharrlich. Bis ganz dicht heran …

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