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FERNE …

Vom Traum und für den Traum leben

Ein Projektvideo von »ENSEMBLE PNININ« und »MIETE EINE KATZE«

Nach Texten von Fernando Pessoa
Musik: Andreas Seemer-Koeper
Textfassung: C. Böckler, A. Seemer-Koeper
Video: Christina Böckler

Engel: Petra Anders

V. Satz »Ferne« aus »Von der Kunst des rechten Träumens«. Es spielt das »ENSEMBLE PNININ«.

Ich habe immer nur geträumt. Dies und nur dies ist der Sinn meines Lebens. Von wirklichem Belang war für mich nur mein inneres Leben. Meine größten Kümmernisse verflogen, wenn ich das Fenster auf die Straße meiner Träume öffnend mich selbst vergaß, bei dem was ich sah. Ich habe nie etwas anderes sein wollen als ein Träumer. Sprach man mir von leben, hörte ich nie zu. Ich fühlte mich immer dem zugehörig, was nicht ist, wo ich bin, und dem, was ich nie sein konnte. Alles, was nicht mein ist, so gering es auch sei, hatte immer etwas Poetisches für mich. Nie habe ich etwas anderes geliebt als nichts. Nie habe ich mir etwas anderes gewünscht als das Unvorstellbare. In meinen inneren Landschaften, allesamt unwirklich, zog mich immer die Ferne an, schemenhaft am Horizont, von traumhafter Zartheit, einer Zartheit, dank derer ich sie lieben konnte. Und wenn ich dies, in meinem Zimmer auf und ab gehend, träume und mir ausmale, werde ich heiter, werde Ich, hüpfe umher, meine Augen glänzen, ich öffne die Arme und verspüre ein gewaltiges, unvergleichliches Glücksgefühl.
aus: Fernando Pessoa, »Das Buch der Unruhe«

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